Rüstungsspenden, falsche Doktoren und ein Vortragsmillionär – die letzten zwölf Monate im abgeordnetenwatch.de-Blog

geschrieben am 03.01.2012 um 10:00 in Allgemein von Martin Reyher

  • Steinbrück, Lauterbach und die Nebeneinkünfte

  • Getarnte Parteispenden, Rüstungsmillionen, Gratis-Limousinen
  • Politiker vs. abgeordnetenwatch.de: Einstweilige Verfügung und „rechtliche Klärung“
  • Plagiate und falsche Doktoren auf abgeordnetenwatch.de
  • Bundestagsabstimmungen und Lobbyismus: Transparenz unerwünscht

1. Steinbrück, Lauterbach und die Nebeneinkünfte

- Zwei Bücher, 60 Vorträge und über eine Millionen Euro: Die Nebeneinkünfte des Peer Steinbrück

Nebenberuf Abgeordneter: Der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück ist Volksvertreter, aber vor allem ist er Buchautor, Aufsichtsratsmitglied, Gastdozent und vielbeschäftigter Honorarredner. Allein durch seine 60 Auftritte vor Unternehmern und Bänkern ist Steinbrück inzwischen zum Vortragsmillionär geworden. 2010 hatten wir die Geschichte aufgedeckt, seitdem sorgt der Fall immer wieder für Schlagzeilen. Erst kürzlich berichtete wieder ein Politmagazin und zeigte, wie spitzfindig sich der Ex-Minister aus der Sache herausredet. (mehr…)

- Karl Lauterbach und das Versteckspiel mit dem Nebenverdienst

Im Fernsehen gibt sich der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gern transparent: Wieviel er als Aufsichtsratsmitglied bei den privaten Rhön-Kliniken verdient, könne jeder auf seiner Homepage nachlesen. Doch dort verschleiert er die Höhe seiner Nebeneinkünfte, statt dessen verweist er auf den Geschäftsbericht des Klinik-Konzerns, den man allerdings erst einmal mühsam recherchieren muss. “Diese kleine Hürde”, antwortete uns ein Mitarbeiter von Lauterbach lapidar, sei doch für Interessierte “sicher nicht zu hoch.” (mehr…)

- Vortragshonorare: Wie viel kostet ein Abgeordneter?

Abgeordnete mit NebeneinkünftenVortragshonorare von Politikern sind ein gut gehütetes Geheimnis. Dennoch lässt sich aus den Angaben über die Nebeneinkünfte ein grober Preiskatalog erstellen: Weniger bekannte Abgeordnete beispielsweise kosten zwischen 1.000 und 3.500 Euro pro Vortrag. Richtig teuer kann es bei einigen wenigen Spitzenpolitikern werden. (mehr…)

- Koalition bremst Transparenzregeln bei Nebeneinkünften aus

Tabelle NebeneinkünfteKurz vor Ostern waren sich alle Parteien einig: Die Nebeneinkünfte unserer Volksvertreter sollten transparenter werden. Wer viel verdient, bei dem sollte das auch jeder sehen können. Doch geschehen ist bis heute nichts. Die Koalitionsfraktionen treten kräftig auf die Bremse. Dies freut insbesondere die Spitzenverdiener unter den Abgeordneten, (mehr…)

2. Getarnte Parteispenden, Rüstungsmillionen, Gratis-Limousinen

- Stückeln, bündeln, tarnen: Die Tricks mit den Parteispenden

Gestückelte ParteispendenEinblick in Tausende Parteispenden: Wie eine Milliardärsfamilie 134.000 Euro für die CDU auf Vater, Mutter, Kind aufteilte. Warum ein Lobbyverband unter verschiedenen Namen spendete. Warum die Parteispenden der Deutschen Vermögensberatung im eigenen Freundeskreis verbleiben. Warum auf den Konten von CDU und FDP regelmäßig Überweisungen im Dreierpack eingehen. (mehr…)

- Rüstungskonzerne: Waffen für die Welt, Millionenspenden für die Parteien

Mit Waffenexporten in alle Welt machen deutsche Rüstungskonzerne Milliardengewinne. Einen Teil davon gaben sie in den vergangenen Jahren als Parteispenden an CDU, CSU, FDP und SPD weiter. (mehr…)

- Die größten Parteispender

Grafik: Parteispenden 20102,5 Millionen Euro für das Parteikonto: CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne konnten sich im vergangenen Jahr über Großspenden von neun Unternehmen und Industrieverbänden freuen. Am spendabelsten zeigte sich ein Autobauer, der einige Parteien traditionell mit Gratis-Limousinen ausstattet. Viel Geld kam auch von einem Finanzdienstleister und einem Lobbyverband aus Bayern, die beide immer wieder durch ihre Nähe zu den Regierungsparteien auffallen. (mehr…)

3. Politiker vs. abgeordnetenwatch.de: Einstweilige Verfügung und „rechtliche Klärung“

- Mit einer einstweiligen Verfügung gegen Transparenz und öffentlichen Bürgerdialog

Im Sommer erhielten wir Post vom Anwalt. Sein Mandant wünsche keine Veröffentlichung des Namens auf abgeordnetenwatch.de, schrieb der Advokat im Auftrag eines baden-württembergischen Kommunalpolitikers. Wenn dessen Profilseite nicht „unverzüglich, also sofort“ gelöscht werde, müsse er eine einstweilige Verfügung erwirken. (mehr…)

- Öffentlichkeit unerwünscht: Wie sich Kommunalpolitiker gegen Bürgerfragen auf abgeordnetenwatch.de wehren

Manchmal fragt man sich, wo abgeordnetenwatch.de eigentlich am Dringendsten nötig ist. Im Bundestag? Den Landtagen? Dem EU-Parlament? Die Antwort dürfte lauten: In den Gemeinderäten und Kreistagen. Einigen Kommunalpolitikern ist an einem öffentlichen Frageportal nicht gelegen. Warum? Vier Beispiele. (mehr…)

- Neuer Antwortboykott – diesmal: Die Hessen-CDU

Artikel zu CDU-BoykottDie hessischen CDU-Abgeordneten wollen keine Bürgerfragen öffentlich auf abgeordnetenwatch.de beantworten. Ihr Argument lautet sinngemäß: Als vom Volk gewählte Abgeordnete stellen wir an uns den Anspruch, selbst darüber zu entscheiden, auf welchem Wege uns das Volk anzusprechen hat. – Noch deutlicher lässt sich nicht ausdrücken, welches Rollenverständnis jemand hat. (mehr…)

- Zumutung und Rechtsbruch: CDU Wiesbaden droht abgeordnetenwatch.de mit Klage

abgeordnetenwatch.de für Wiesbaden gibt es zwar noch gar nicht, aber die Stadtverordneten der dortigen CDU verbitten sich schon einmal vorsorglich, für die Bürgerinnen und Bürger öffentlich befragbar zu werden. Sollten wir die Position der CDU-Fraktion nicht respektieren, müsse man den Vorgang einer “erfolgssicheren formalen Klärung zuführen”, schreibt uns deren Justiziar. (mehr…)

4. Plagiate und falsche Doktoren auf abgeordnetenwatch.de

- Das Doktoren-Parlament: Titel, Dissertationen und Plagiate im Spiegel von Bürgerfragen

Karl-Theodor zu Guttenberg war nicht der erste Bundestagsabgeordnete, dem der Doktortitel abhanden kam. Ein Kollege stolperte 2009 über einen gekauften Titel, gegen einen weiteren leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen der unbefugten Führung eines akademischen Grades ein. Zahlreiche Bürger haben die Abgeordneten mit Fragen konfrontiert, doch eine Antwort erhielten sie meist nicht. (mehr…)

- Silvana Koch-Mehrin: Seit 2009 keine Ausschusssitzung mehr besucht

Koch-Mehrin WahlplakatEs war kein gutes Jahr für Silvana Koch-Mehrin: Erst wurde ihr der Doktortitel aberkannt, dann berichtete das ARD-Magazin Panorama, dass die frühere Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments seit 2009 keine Ausschusssitzung mehr besucht hat. Nach Recherchen von abgeordnetenwatch.de war Koch-Mehrin seit der Europawahl überhaupt erst dreimal im Petitionsausschuss anwesend. (mehr…)

- Die Copy & Paste-Abgeordneten

Es muss ja nicht gleich eine Doktorarbeit sein: Auch in ihren Antworten auf abgeordnetenwatch.de bedienen sich manche Politiker fremder Texte, ohne dies in irgendeiner Form kenntlich zu machen. Bevorzugte Quelle für die Abkupferei: Wikipedia. Ein Politiker hat eine überraschende Erklärung: Nicht er habe bei Wikipedia abgeschrieben, sondern umgekehrt. (mehr…)

5. Bundestagsabstimmungen und Lobbyismus: Transparenz unerwünscht

- Bundestag: “Kein Bedarf” an transparenten Abstimmungen

Foto Abstimmung im BundestagWir Bürgerinnen und Bürger können in aller Regel nicht nachprüfen, wie ein Bundestagsabgeordneter abgestimmt hat, nur wenige Parlamentsentscheidungen werden dokumentiert. Das soll auch so bleiben, findet der Bundestag. Das Parlament sieht “keinen Bedarf” für transparente Abstimmungen und hat deswegen die Petition eines Bürgers beerdigt. Die Begründung ist recht eigenartig.  (mehr…)

- Der Fall Maschmeyer oder Die gefährliche Nähe zwischen Lobbyisten und Politikern

Insgesamt 800.000 Mark ließ sich der Unternehmer Carsten Maschmeyer offenbar den Wahlkampf seines Freundes Gerhard Schröder kosten. Eine 150.000 Mark-Spende findet sich in keinem Rechenschaftsbericht und hat die Bundestagsverwaltung auf den Plan gerufen. In diesem Zusammenhang belegt ein interner Brief Maschmeyers, wie durch solche Zuwendungen Nähe zu politischen Entscheidungsträgern entsteht – und wie der AWD-Gründer diese zu nutzen wusste. (mehr…)

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4 Kommentare zu “Rüstungsspenden, falsche Doktoren und ein Vortragsmillionär – die letzten zwölf Monate im abgeordnetenwatch.de-Blog”
  1. J-C sagt:

    Ähm… vielleicht bin ich ja gerade etwas betriebsblind, aber wo sind die unter Überschrft Nr. 2 versprochenen Gratis-Limousinen versteckt?

  2. Danke für den Hinweis! Der Absatz fehlte tatsächlich, wir haben ihn jetzt nachgetragen unter dem Punkt “Die größten Parteispender”

  3. Lutz Bongardt sagt:

    Was erlauben Steinbrück?

    2010 wurde Steinbrück für fünf Jahre in den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp berufen, 2010 in den von Borussia Dortmund, 2010 Mitglied des Senats der Deutschen Nationalstiftung, 2011 Mitglied im Kuratorium der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der fromme Christ ist Mitglied der Kammer für soziale Ordnung in der EKD und stellvertretender Vorsitzender der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung (wikipedia).

    Der Konzern lieferte für beide Weltkriege Waffen, aber damit scheint der Sozi und Christ kein Problem zu haben? Vielleicht betet man zum Ausgleich, damit das Herz sich verhärte zu Krupp-Stahl? Abgeordnete haben oft 6,7,8 oder 20 Arbeitsplätze und es ist erstaunlich, wie sie die zeitlich, räumlich und arbeitstechnisch alle unter ein Dach bringen. Praktisch ist die Mehrheit befangen, denn gegen die Konzerninteressen, in dessen Aufsichtsräten sie sitzen, werden sie mit politischen Entscheiden sicher nicht verstoßen. Eher die Möglichkeiten erweitern.
    In Brüssel haben sie das System Lobbyismus perfektioniert. Und interessant ist doch, ein Abgeordneter der scheitert (wie Koch-Mehrin), fällt dort stetig nach oben.

    http://www.hpmartin.net/content/der-lobby-ticker-die-t%C3%A4glichen-verlockungen

  4. [...] Die FDP im Saarland hat ebenfalls Probleme einen bei diesem Thema unbelasteten Fraktionsvorsitzenden  zu finden. (Diese Aufzählung lässt sich endlos fortsetzen.)Außerdem gibt es auch häufiger Berichte über dubiose Bauaufträge auf Lokalpolitikebene. Die Möglichkeiten finanzieller Einflussnahme scheinen groß und gut genutzt zu sein. Auf dem Blog von Abgeordnetenwatch gibt es dazu eine Rückschau auf das letzte Jahr. [...]

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