Warum Nichtwählerin Frau B. am Sonntag an die Urne muss

Man kann nicht behaupten, dass Frau B. bis vergangenen Freitag ein besonders gutes Bild von unseren Politikern gehabt hätte. Und weil sie von ihnen wenig bis gar nichts erwartet, war es für Frau B. auch ausgemachte Sache, am 9. Mai, dem Tag der NRW-Landtagswahl, überall hinzugehen, nur nicht ins Wahllokal. Doch dann kam eine Wette im Radio dazwischen. Timo Fratz ist Moderator der Morningshow auf Radio Bielefeld und schon von Berufs wegen Optimist. Was den Blick auf die Politiker angeht, ist Timo Fratz sozusagen der Gegenentwurf zu Frau B.: Er glaubt an das Gute im Politiker, ja, der Radiomann behauptet vergangenen Montag in seiner Live-Sendung sogar:

Es gibt sie, die Politiker, die sich für genau Ihre Anliegen interessieren! Beweisen möchte ich Ihnen das zusammen mit der Internetseite abgeordnetenwatch.de....

Und so werden die Hörer von Timo Fratz' Morningshow Ohrenzeuge der ersten Radio-Wahlwette, einer gemeinsamen Aktion von Radio Bielefeld und abgeordnetenwatch.de. Fehlt nur noch ein Wetteinsatz. Was, wenn die Bielefelder Kandidaten den Radiomoderator im Regen stehen lassen und bis Freitag morgen, 9 Uhr, nicht auf die Fragen von Frau B. bei abgeordnetenwatch.de antworten?

(...) Wenn da nicht die fünf Antworten gekommen sind, dann hätten Sie die Wette gewonnen und hätten mich für eine Betätigung Ihrer Wahl: Rasen mähen, Auto waschen, was immer Sie möchten (...) Vielleicht verlieren Sie die Wette auch, und dann ist nämlich Ihr Einsatz, dass Sie mir versprechen, am 9. Mai zur Wahl zu gehen...

Zur Wochenmitte kommen dem Moderator erste Zweifel, ob er sich mit seiner Behauptung, die Bielefelder Kandidaten interessierten sich für das Anliegen von Frau B., nicht ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt hat. Erst drei Politiker haben Frau B. auf abgeordnetenwatch.de geantwortet: Regina Kopp-Herr (SPD), Karl-Ernst Stille (Grüne) und Hans-Joachim Ludwig (Westfalenpartei). Das sind nicht genug, um Frau B. an die Urne zu bringen:

Aber was ist mit den anderen? Björn Kerbein von der FDP, Rainer Lux von der CDU, Brigitte Stelze von den Linken - kein Interesse am Wähler? ...

Auch die Antwort von Christoph Tacke von den Piraten steht noch aus. Radio Bielefeld sieht sich zu einem dramatischen Aufruf gezwungen, damit der Moderator die Wahlwette nicht verliert:

Wir unterbrechen das laufende Radio Bielefeld-Programm für eine wichtige Durchsage: Dies ist der nahezu letzte Aufruf für die Radio Bielefeld-Wahlwette. Herr Rainer Lux, Herr Björn Kerbein und Frau Brigitte Stelze - bitte begeben Sie sich sofort auf abgeordnetenwatch.de. Last call for Mr Rainer Lux, Mr Björn Kerbein and Mrs Brigitte Stelze. Please check in at abgeordnetenwatch.de! (...)

Die Zeit läuft, nur noch zwei Tage bleiben, damit die vier Kandidaten sich dem Anliegen von Frau B. annehmen. Reicht das? Am Freitag morgen kommt der Moment der Wahrheit. Wer hat die Wahlwette gewonnen? Bei Frau B. klingelt das Telefon:

(...) Ja guten Morgen Frau B.! Timo Fratz hier von Radio Bielefeld. (...) Es haben sich alle sieben Kandidaten aus Ihrem Wahlkreis gemeldet. Damit hätten Sie nicht gerechnt! (...) Jetzt müssen Sie mir ja noch hoch und heilig versprechen, Ihre Wettschuld einzulösen. Das bedeutet, am 9. Mai gehen Sie zur Landtagswahl!

Die Wahlwette von Radio Bielefeld und abgeordnetenwatch.de: Eine Nichtwählerin, sieben Wahlkreiskandidaten, sieben Fragen, sieben Antworten. Dass Politiker mit ihren Worten und Taten die Wähler immer nur von der Urne vertreiben - Unsinn! Nichtwählerin Frau B. wird am Sonntag zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gehen. Nicht ganz freiwillig zwar (... aber dennoch mit keinem schlechten Gefühl). Die Antworten der Kandidaten auf abgeordnetenwatch.de sind ein Versprechen in aller Öffentlichkeit: Ja, ich kümmere mich um Ihr Anliegen, Frau B.! Wer auch immer am 9. Mai das Direktmandat im Wahlkreis Bielefeld II gewinnt und in den nordrhein-westfälischen Landtag einzieht - er sollte Wort halten. Denn seine Antwort wird für immer auf abgeordnetenwatch.de nachzulesen sein.

 

Kommentare

Die Frage lautete im Wesentlichen:

"Wie setzen Sie sich im Landtag für eine wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs, speziell in der Windflöte, ein?"

Ein kleiner Überblick über die - sogenannten - Antworten:

- Frau Kopp-Herr möchte den Einzelhandelsverband anrufen.
- Herr Ludwig arbeitet seit Jahren an diesem Problem und nun bietet sich ein Gelände an, die Versorgung mit Lebensmitteln zu organisieren. Wie das Gelände die Versorgung organisiert und ob auch Menschen involviert sind verschweigt er.
- Herr Lux erklärt, dass zunächst beabsichtigt ist, die nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Ansiedlung von Einzelhändlern zu schaffen. Ob die existierende Nichtverfügbarkeit von Einzelhändlern an mangelnder Nachfrage liegt oder daran, dass die Politik es bisher offensichtlich versäumt hat, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, erfährt man nicht.
- Frau Stelze möchte auf Landesebene die Förderung eines Einkaufskooperativs anregen. Außerdem setzt sie sich für ein Sozialticket ein.
- Herr Tacke gibt Tipps zum Busfahrplan.
- Herr Stille und Herr Kerbein hätten auf die Frage einfach mit "Gar nicht" antworten können.

Da Herr Stille und Herr Kerbein die Frage im Prinzip nicht beantwortet haben hat Frau B. die Wette gewonnen. Nur weil ein Politiker irgendwas schreibt heißt das nicht automatisch, dass er damit etwas Substantielles mitteilt.

Eine seriöse Gesellschaft (GSWG), die in diesem Ortsteil angesiedelt ist und auch dort zum Wohle der Bevölkerung tätig ist, will und kann dieses Problem optimal zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger umsetzen.
Deshalb hat der Geschäftsführer freie Hand, das zu organisieren.
Er will die von der Politik und den Bürgerinnen und Bürger vorgegebenen Rahmenbedingungen aber einhalten.
Leider ist aber bis heute dieses Projekt noch nicht konkret umgesetzt.
Darum werde ich in den nächsten Tagen Rücksprache mit dem Geschäftsführer nehmen.

Sehr geehrter Herr Ludwig,

ich danke Ihnen für die Klarstellung.

Herr Lux antwortet bei Abgeordnetenwatch übrigens nur, wenn es sonst negativ bei Radio Bielefeld auffällt. Ein anderer Wähler wartet schon seit über einem Monat auf eine Antwort. Es liegt nicht daran, dass da auch eine Wette mit Herrn Fratz läuft.

Die Wahlwette bei Radio Bielefeld war eine Aktion, die zahlreichen Hörern in Bielefeld und auch uns in der Redaktion sehr viel Spaß gemacht hat. Ob die Antworten der Landtagskandidaten nun zufriedenstellend sind oder nicht, dass muss jeder Hörer selbst für sich entscheiden. Und vielleicht ist diese Entscheidung auch eine Hilfe für die Wahlentscheidung?
Die Wahlwette mit abgeordnetenwatch.de hat auf jeden Fall einiges gebracht. Im Bielefelder Ortsteil Windflöte wird lebhaft über die Frage von Frau B. diskutiert und alle sieben Politiker sind in dieser Diskussion beteiligt, zwei diskutieren ja sogar schon hier, sehr löblich, weiter so!
Achso, und wenn ich schon nicht als Gärtner in die Windflöte komme, vielleicht fahre ich ja bald mit einem rollenden Gemischtwarenladen vor... Sie hörens dann natürlich zuerst bei Radio Bielefeld. Und wir haben sogar ein Webradio um es in die ganze Welt zu übertragen :-).

Einge gute Aktion! Leider ändert sie nichts daran, dass unser Land weit unter Wert regiert wird, und daran auch keine Wahl etwas ändern wird. Bei dem Angebot ...

"Weg vom Schmuddel-Image der Esel, Kakerlaken und Hyänen muss die Politik das Hollywoood der Geisteselite werden."

In der Politik wird sich nichts ändern, solange diese nur von "Parteisoldaten auf sicheren Versorgungsposten" bestimmt wird.

Die Sprecherin der Gesellschaft teilte mir heute telefonisch mit, dass auf die Baugenehmigung gewartet wird.
Nach ihrer Meinung ist in kürze (höchstwahrscheinlich in den nächsten Wochen) damit zu rechnen.

Das Herz sollte weder linksfaschistisch noch rechtsfaschistsich wählen, sondern NATIONAL.
Beide Pole, links und rechts, wurden vor langer Zeit von den Machern der Neuen Weltordnung ins Leben gerufen, damit sie sich auf immer bekämpfen.
Die Herren der Neuen Weltordnung und Bänker waren und sind bei diesem Spiel der lachende 3. und der Gewinner.
Vereint Eure Kräfte, IHR seit das Volk und EUER Wille zählt und muß Gesetz werden.

Hallo,

ich bedauere gerade, dass ich nicht in dem Wahlkreis kandidiere sondern in Herne.
Wir haben in der AUF-Partei tatsächlich für solche Situationen Lösungen angedacht. Dies ginge z.B. über genossenschaftliche Läden, so ähnlich wie bei einem Buchclub. Aber nur, wenn sich auch genügend Leute am Ort auch inso eine Genossenschaft einbringen.
Sie hätten den Vorteil. eine Grundversorgung zu bekommen und bei Bedarf, bzw. auf Bestellung noch etwas darüber hinaus. Nachteil wäre, dass sich die Bürger verpflichten zur Abnahme von bestimmten Mengen und Produkten, allerdings nicht unbedingt zu höheren Preisen.
Wie andere aber bemerkt haben, es muss sich wirtschaftlich lohnen und das geht nur, wenn die Menschen auch ortsnah einkaufen.

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