Helga Lerch
FDP
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Frage von Wraf Onegybt an Helga Lerch bezüglich Bildung und Forschung

# Bildung und Forschung 05. Sep. 2018 - 21:37

Sehr geehrte Frau Lerch,

ich möchte Sie bitten Stellung zu folgenden Fragen zu nehmen:

1. Halten Sie es für gerechtfertigt, dass Sozialkunde in der Oberstufe abgewählt werden kann, Religion / Ethik jedoch nicht?
2. Halten Sie einen 2-jährigen Sozialkunde Unterricht (9. und 10. Klasse) in der gesamten Schullaufbahn für ausreichend?
3. Werden Sie sich für eine Umgestaltung der Bildungspolitik im Bezug auf Punkt 1 einsetzen?

Ich persönlich habe Sozialkunde als Leistungskurs belegt und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Zeit für politische Diskussionen gegeben, aber knapp ist. Für Schüler die Sozialkunde als Grundfach belegt haben, bleibt keine Zeit mehr um sich im Unterricht politisch auszutauschen und selbst hier wird das Fach nicht durchgängig unterrichtet, sondern im Wechsel mit Erdkunde.
Doch diejenigen die Erdkunde oder Geschichte als Leistungskurs gewählt haben, erhielten in ihrer gesamten Schullaufbahn nur einen 2-jährigen Sozialkundeunterricht und das ist aus meiner Sicht nicht ausreichend.
Dass das Fach Religion aktuell in der MSS mit Fächern wie Mathematik und Deutsch gleichgesetzt wird, halte ich für unangemessen und veraltet. Ziel der Bildungspolitik sollte es sein, Jugendliche zu mündigen Bürgern zu erziehen und nicht den Kirchen durch das Grundgesetz Sonderrechte zu bewilligen. Und ist es nicht paradox einerseits die Politikverdrossenheit anzuprangern, aber andererseits den Religionsunterricht bildungspolitisch zu bevorzugen?

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Bartlog

Von: Wraf Onegybt

Antwort von Helga Lerch (FDP) 13. Sep. 2018 - 08:01
Dauer bis zur Antwort: 1 Woche 10 Stunden

Sehr geehrter Herr Onegybt,

zuerst einmal darf ich Ihnen sagen, dass mich Ihr Engagement für das Fach Sozialkunde sehr freut - und das nicht nur als Politikerin. Ich habe dieses Fach selbst in meiner Zeit als Lehrerin unterrichtet. Als Regionale Fachberaterin gab ich den Kolleginnen und Kollegen jede Menge Tipps für eine zeitgemäße Gestaltung des Sozialkunde-Unterrichts. Und schließlich wirkte ich auch als Autorin an der Gestaltung eines Sozialkunde-Buchs mit. Sie dürfen also davon ausgehen, dass mir dieses Fach sehr am Herzen liegt. Und das nicht nur wegen der von Ihnen angesprochenen Aspekte eines Entgegenwirkens gegen Politikverdrossenheit.
Seit Jahren setze ich mich dafür ein, dass das Fach Sozialkunde im schulischen Fächerkanon nicht noch weiter beschnitten wird. Aber jeder Befürworter einer Aufwertung des Fachs Sozialkunde muss sich bewusst sein, dass dies auf eine höhere Stundenzahl hinausläuft. Damit würde dann aber auch die wöchentliche Stundentafel um mehr Unterrichtsstunden erweitert. Das würde wohl auch Proteste hervorrufen. Als Alternative müsste die Ausweitung des Sozialkunde-Unterrichts zu Lasten anderer Fächer erfolgen. Aber welche sollten dies sein?

Ihr Vorschlag läuft darauf hinaus, dass dies Religion/Ethik sein sollten.

Diesem Vorschlag kann ich nicht folgen. Denn dort wird den Schülerinnen und Schülern etwas vermittelt, was für jede menschliche Gemeinschaft von elementarer Wichtigkeit ist - nämlich Werte!

So bleibt wohl letztlich nur der Weg einer moderaten Erhöhung der wöchentlichen Gesamtstundenzahl (1 Stunde?).

Der rheinland-pfälzische Landtag beschäftigt sich übrigens gerade mit der Frage einer Ausweitung des Sozialkunde-Unterrichts.

Sie haben also ein ganz aktuelles Thema angesprochen.

Helga Lerch, MdL (FDP)